Auslandserfahrung gilt als ein wichtiger Grundstein für eine erfolgreiche Karriere. Wir haben vier Experten gefragt, ob Zeit im Ausland zu verbringen wirklich immer die richtige Wahl ist, um beruflich durchzustarten.

„In einem international aufgestellten Unternehmen wie INNIO ist es für die Mitarbeiter hilfreich, wenn sie schon einmal über den Tellerrand hinausgeschaut haben.“

Die Generation Y ist wohl die mobilste, die es in Europa je gegeben hat. Bereits in der Schule können viele junge Menschen Auslandserfahrung in Form von Praktika oder Austauschsemestern sammeln. Im Studium schaffen Erasmusprogramme weitere Chancen, um neue Länder und Kulturen zu entdecken, interkulturelle Kompetenzen zu erarbeiten und auf sich selbst gestellt ein Leben in der Fremde zu meistern. Auch Unternehmen bieten Programme an, um für eine gewisse Zeit in einer Auslandsniederlassung arbeiten zu können. Im Gespräch mit Karriereexperten und Menschen, die viel Zeit im Ausland verbracht haben, zeigt sich, dass, auch wenn Auslandserfahrung immer einen wichtigen Meilenstein in der persönlichen Entwicklungsgeschichte darstellt, sie kein Garant dafür ist, zurück in der Heimat einen guten Job zu ergattern.

Ein Plus bei der Bewerbung

Sucht ein Unternehmen nicht direkt nach einem Mitarbeiter, der beruflich bereits Zeit in einem Zielmarkt, wie zum Beispiel in aufstrebenden Märkten wie Vietnam oder Indien, verbracht hat, ist Auslandserfahrung ein Plus, aber in den meisten Fällen keine Basisqualifikation. Zeit im Ausland verbracht zu haben, hilft aber dabei sich von anderen Bewerbern zu unterscheiden.

„Ein Unternehmen gewinnt einen Mitarbeiter, der sich schon einmal aus seiner Komfortzone herausbewegt hat. Einher damit geht häufig eine höhere Selbstständigkeit, da sich die Person in einer neuen Umgebung zurechtfinden musste“, erläutert Carina Pennig, die Leiterin des „Global Talent Recruitments“ bei INNIO. Vor allem die Fähigkeit, in internationalen Teams agieren und sich auf Diversität und andere Meinungen einlassen zu können, ist eine Qualität, die Arbeitgebern wichtig ist.

Zielgerichtete Erfahrung

„Was Auslandsaufenthalte für die berufliche Karriere bringen, ist im Einzelfall zu entscheiden. Ich finde schon, dass Auslandserfahrung grundsätzlich positiv ist. Aber einfach zu sagen, jeder Auslandsaufenthalt sei per se karriereweisend, würde ich nicht unterschreiben“, erklärt Brigitte Huter, Leiterin des Career Centers des MCI Innsbruck.

Um das Meiste aus seiner Zeit im Ausland zu machen und gleichzeitig einen Mehrwert für die berufliche Karriere zu generieren, sollte man sich schon beim Planen Gedanken darüber machen, welche Qualifikationen man sich in seiner Zeit im Ausland erarbeiten kann. Sie sollen einen auf die beruflichen Aufgaben vorbereiten und in das Profil zukünftiger Arbeitgeber passen. „Ein Auslandsaufenthalt soll immer Sinn in der individuellen Situation machen, er muss zum beabsichtigten Karriereweg passen“, führt Huter weiter aus.

„Ein Auslandsaufenthalt soll immer Sinn in der individuellen Situation machen, er muss zum beabsichtigten Karriereweg passen.“

Auch Carina Pennig schließt sich dieser Meinung an: „In einem international aufgestellten Unternehmen wie INNIO ist es für die Mitarbeiter hilfreich, wenn sie schon einmal über den Tellerrand hinausgeschaut haben. Daher achte ich persönlich mehr auf die Stationen im Ausland, vor allem, wenn es sich um berufliche Erfahrung vor Ort handelt.“

Brigitte-Huter

Brigitte Huter, Leiterin Career Center des MCI

Quelle: top.arbeitgeber 2019, Text: Daniel Schreier

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