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Bildungsförderung

Der Wert von Aus- und Weiterbildung wird allseits betont. Doch wer hilft, die entstehenden Kosten zu tragen? Ernst Haunholter, Leiter der Bildungspolitik AK Tirol zeigt, welche Aus- und Weiterbildungen gefördert werden.

Kaum sind die niedrigen Arbeitslosenzahlen veröffentlicht, da wird schon wieder über die unterschiedlichen Konjunkturprognosen diskutiert“, meint Ernst Haunholter, Leiter der Bildungspolitik AK Tirol, „aber auf jeden Fall bleibt der Ruf nach Fachkräften erhalten.“ Diesem dynamischen Arbeitsmarkt begegne man am besten mit einem persönlichen Bildungsplan. „Auch Arbeitgeber honorieren in der Regel Bildungsengagement und tragen eventuell zur Finanzierung bei“, so Haunholter.

Fortbildungen kosten nämlich viel Geld, weshalb man stets Ausschau nach Unterstützungen und Förderungen halten sollte.

Die richtigen Adressen sind Bildungsanbieter, Förderstellen oder auch persönliche Berater in verschiedenen Institutionen, wie zum Beispiel die Arbeiterkammer. Die Unterstützung deckt entweder die Kurskosten – Land Tirol, AMS, AK Tirol oder der eigene Arbeitgeber sind hier die wichtigsten Fördergeber – oder unterstützt bei Lebenshaltungskosten, wie es bei Bildungskarenz, Studienbeihilfe, beim Fachkräftestipendium oder der Ausbildungsbeihilfe vom Land Tirol der Fall ist. Beispiele zu förderbaren Aus- und Weiterbildungen:

Der Lehrabschluss soll nachgeholt werden

Ein junger Mann hatte vor einigen Jahren seine Lehre bei einer Drogeriekette abgebrochen. Nun bot sich die Chance eines  Neustarts in einer großen Apotheke und er möchte unbedingt denLehrabschluss des Pharmazeutisch-kaufmännischen  Assistenten (PKA) nachmachen. Mit der geringen bisherigen Praxis wird er die Lehrabschlussprüfung bei der Wirtschaftskammer nur sehr schwer bestehen und deshalb sucht er nach einem berufsbegleitenden Vorbereitungskurs beim BFI oder WIFI. Dafür fallen etwa 1.200 Euro an Kosten an. 30 Prozent dieser Summe fördert das Land Tirol im Rahmen der Update-Förderung, zusätzliche 20 Prozent werden bei positiv abgeschlossener Prüfung ausbezahlt. Die AK empfiehlt hier die genauen Richtlinien, Förderkriterien und Fristen direkt beim Land Tirol zu klären. Wird die Lehrabschluss-Prüfung abgeschlossen, kann bei der AK eine zusätzliche Förderung in Höhe von 30 Prozent der Kurskosten beantragt werden.

Hilfe beim Wiedereinstieg für Mütter

Der Berufseinstieg gestaltete sich für eine Büroangestellte nach ihrer Kinderpause als Hindernislauf. Wegen der eingeschränkten Zeiten kann sie zu ihrem alten Arbeitgeber nicht mehr zurückkehren und muss sich für eine neue Stelle bewerben. Zum Glück erfuhr sie vom Wiedereinsteigerinnen- Programm der AK Tirol. Im Beratungsgespräch wurden ihre bisherigen Kompetenzen erfasst und sie frischt nun im Kurs „Professionelle Basis für die Büroarbeit I“ ihre Kenntnisse wieder auf und im Kurs „Ihre Visitenkarte – die Bewerbung“ bringt sie ihre Unterlagen auf den neuesten Stand. Die Kurse werden tagsüber angeboten und sind für sie nur möglich, da das Wiedereinsteigerinnen-Programm auch eine Betreuung für ihre kleine Tochter vorsieht. Die Kosten der Kurse und der Kinderbetreuung werden zur Gänze von der AK Tirol übernommen. In der Beratung stellt sich auch heraus, dass eine Höherqualifizierung sinnvoll wäre. Als Büroangestellte musste sie unter anderem Rechnungsein- und -ausgänge abwickeln, hat aber nur rudimentäre Kenntnisse. Da sie von ihrem Mann unterstützt wird, ist es ihr auch möglich, einen Grundlagenkurs für Buchhaltung am Abend zu besuchen. Auch hierfür übernimmt die AK Tirol die Kosten, damit für sie ein bestmöglicher Berufseinstieg erfolgen kann.

Berufsreifeprüfung als allgemeine Weiterentwicklung

Ein Versicherungskaufmann denkt über seinen zukünftigen beruflichen Werdegang nach. Da die speziellen Angebote für ihn derzeit nicht passen, möchte er als Weiterentwicklung die Berufsreifeprüfung absolvieren. Hier hat er in Tirol zwei  Möglichkeiten: die Tagesvariante oder die berufsbegleitende Abendvariante. Das Land Tirol fördert die Kurskosten in Höhe von rund 4.500 Euro im Rahmen der Update-Förderung zu 30 Prozent. Weitere 20 Prozent werden bei positiv abgeschlossener Prüfung ausbezahlt. Die AK fördert bei abgeschlossener Prüfung noch einmal 30 Prozent der Kurskosten. So ergeben sich in Summe bis zu 80 Prozent geförderte Kurskosten, allerdings müssen dabei die Richtlinien des Landes Tirol sehr genau eingehalten werden. Sollte er sich dazu entschließen, den Kurs zur Berufsreifeprüfung in der Tagesvariante zu machen (die ebenso wie die Abendvariante am BFI, WIFI oder auch im Haus der Begegnung angeboten wird) wählt er nach Möglichkeit eine einjährige Bildungskarenz. Während dieser Zeit bekommt er monatlich ein Bildungsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes ausbezahlt. Und eine weitere Fördermöglichkeit bei der Tagesvariante kann für ihn die Ausbildungsbeihilfe des Landes Tirol sein.

Der erstmalige Beginn eines Studiums

Eine HTL-Absolventin arbeitete über vier Jahre bei einem Planungsbüro und möchte nun in Innsbruck Architektur studieren. Um Förderungen zu beziehen, klärt sie zunächst auf der Bundes-Stipendienstelle, ob die Voraussetzungen für ein  Selbsterhalter-Stipendium gegeben sind. Hierzu muss die Antragstellerin nachweisen, dass sie angestellt oder selbstständig ein jährliches Einkommen von mindestens 8.580 Euro brutto über insgesamt mindestens 48 Monate erwirtschaftet hat. Mit längerer Dauer der Selbsterhaltung steigt das mögliche Studien-Einstiegsalter bis zum Höchstalter von 35 Jahren. Die Anspruchsdauer beschränkt sich in der Regel auf die gesetzlich vorgesehene Mindeststudienzeit plus ein weiteres Semester. Bis zu 10.000 Euro dürfen im Jahr dazuverdient werden (auf Monate aliquotiert). Die Antragstellerin kann zusätzlich noch um die Bildungskarenz für ein Jahr ansuchen und sich dadurch Vorteile bei der Versicherungsleistung sichern. Zudem hat die Bezieherin des Selbsterhalter-Stipendiums auch die Möglichkeit, bei der AK um eine Förderung von bis zu 690 Euro jährlich anzusuchen.

Ausbildung zum Pflegefachassistenten – Fachkräftestipendium

Ein 44-jähriger Mann war in der Betreuung behinderter Menschen tätig und ist derzeit arbeitslos. Er interessiert sich für die zweijährige Ausbildung zum Pflegefachassistenten. Diese findet sich in der Liste der anerkannten Ausbildungen und durch seinen Start im Frühjahr 2020 steht ihm grundsätzlich wieder das Fachkräftestipendium zur Finanzierung der Lebenshaltungskosten offen. Er klärt mit dem AMS die genauen Voraussetzungen ab und bekommt für die Dauer der Teilnahme an der Ausbildung aufgrund seines berechneten Arbeitslosengeldes etwas mehr als den Mindestsatz von 30,60 Euro täglich. Da die Ausbildung kostenlos angeboten wird, ist für ihn die „Fachkräfteförderung des Landes Tirol“ nicht relevant.

Update Förderung

Diese Kurskostenförderung ist einkommensunabhängig und unterstützt bei der Teilnahme an Kursen anerkannter Bildungsträger. Der Katalog der geförderten Kurse ist unter der Datenbank www.tiroler-bildungskatalog. at einsehbar.

Quelle: Bildung und Karriere in Tirol 2020

Fotonachweis:Shutterstock

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