Neben seinem Stadterneuerungsprojekt Pocket Mannerhatten in Wien versucht Florian Niedworok gesellschaftliche Veränderungen und Herausforderungen der Arbeitswelt innovativ zu meistern. Der Architekt absolvierte sein Studium in Innsbruck und lebt heute in Tirol und Wien. Er gibt architektonische Antworten auf gesellschaftliche Fragen, dabei steht die Nachhaltigkeit, insbesondere der soziale Aspekt, im Vordergrund.        
Herr Niedworok, was verändert sich an unseren Arbeitsplätzen?
Florian Niedworok: Es gibt Veränderungen auf technologischer und gesellschaftlicher Ebene, die sich auch am Arbeitsplatz zeigen: Die Digitalisierung eröffnet uns viele neue Möglichkeiten, räumlich flexibel zu arbeiten. Hinzu kommt der kulturelle Wandel, bei dem das Individuum den Wert der Arbeit neu definiert und Unternehmen ihre Organisationsformen verändern:

Hierarchische Strukturen weichen Formen der Selbstorganisation, Kooperation und Kommunikation. Die Automatisierung ermöglicht es, vieles Maschinen zu überlassen. Kreative Tätigkeiten werden aber weiterhin von Menschen verrichtet. Der Arbeitsplatz muss sich verändern.

Wie soll er aussehen?

Diesen Umständen muss Rechnung getragen werden: Das klassische Büro und der Besprechungsraum können teilweise noch ihren Zweck erfüllen, reichen aber nicht. Verschiedene Arbeits- und Kommunikationsbereiche, wie Lounge, Café oder Workshopbereiche ermöglichen eine ganz andere Form der Zusammenarbeit. Also entstehen neue Bürotypen. Viele Menschen wollen in Zeiten der Individualisierung einer Arbeit nachgehen, die sie erfüllt und mit der sie sich verwirklichen können.

Sie arbeiten eventuell selbstständig, haben einen Teilzeitjob und ihr Alltag ist entsprechend vielfältig. Sie benötigen gute Infrastruktur, inspirierende Räume und den Dialog mit anderen Kollegen. Auch große Unternehmen mieten Plätze in Coworking Spaces, weil sie die Vorteile erkannt haben und nutzen möchten.

Sie haben das Wundervoll in Innsbruck mitgestaltet. Wollten Sie diese Ideen dort verwirklichen?

Ganz genau. Das Wundervoll ist ein Coworking Space, bei dem meine Projektpartnerin Iris Marweld-Stoll und ich versucht haben, all diesen Veränderungen Rechnung zu tragen. Wir haben dort drei Raumwelten als Bürobereiche definiert: Im Bereich WunderTat findet man den klassischen Arbeitsplatz, wobei man auch verschiedene Steh-, Sitz und Tischmöglichkeiten zur Auswahl hat und sich zwischen unterschiedlichen Arbeitsplätzen entscheiden kann.

Es gibt flexible Raumelemente, wie rollende Regale und Trolleys, die auf verschiedene Situationen angepasst werden können. Das Rendez-Wunder ist der Raumbereich, in dem man verschiedene Kommunikationsräume vorfindet: Einen Besprechungstisch, ein Café, eine Lounge mit einer Couchecke und Sitznischen. Die dritte Raumwelt haben wir für die Arbeitspause reserviert: Im WunderSpiel findet man Raum für Entspannung oder Bewegung. Natürlich gibt es auch Infrastrukturräume: einen Druckerraum, Seminarräume und eine Küche. Das Wundervoll ist für kreative Selbstständige gedacht, die sich einen Arbeitsplatz mieten und davon profitieren wollen, mit Menschen aus anderen Branchen zusammenzukommen, um in einer professionellen Infrastruktur zusammenzuarbeiten.

Wie passt Home-Office in dieses Konzept?

Zuhause können viele Kriterien, die ich erwähnt habe, nicht oder nur schwer erfüllt werden. Dort trifft man kaum andere Menschen und durch die Verbindung von Arbeitsplatz und Wohnraum findet man kaum Platz für Erholung. Dennoch, glaube ich, ist es eine gute Ergänzung, um im Alltag flexibel zu sein und z. B. kurzzeitig etwas abzuschließen.

Wo ist eigentlich Ihr Arbeitsplatz?

Ich habe viele verschiedene. Ich arbeite gerne in einem Gemeinschaftsbüro zusammen mit anderen kreativen Menschen in Wien und in Tirol. Wenn es der Terminplan erfordert, arbeite ich auch unterwegs, im Zug, in einem Café bzw. auch vor Ort beim Kunden. 

Quelle: Wirtschaftsmagazin top.tirol – Karriere 2018, Text: Haris Kovacevic

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